Passives und aktives Kühlen: zwei Prinzipien
Beim passiven Kühlen (auch „natural cooling“) läuft der Verdichter nicht. Das Heizungswasser wird über einen Wärmetauscher direkt an eine kühle Quelle abgegeben, bei Sole/Wasser-Wärmepumpen an das 10 °C kalte Erdreich. Nur Umwälzpumpen laufen, der Stromverbrauch liegt bei 50 bis 150 kWh im Sommer. Die Kühlleistung ist mit 20 bis 30 W je m² Fußbodenheizung gering, reicht aber, um Räume um 2 bis 3 K zu temperieren. Mit Außenluft als Quelle funktioniert passives Kühlen nicht, denn im Sommer ist die Luft wärmer als der Raum.
Beim aktiven Kühlen kehrt die reversible Luft/Wasser-Wärmepumpe ihren Kältekreis um und arbeitet wie ein Kühlschrank: Sie entzieht dem Heizungswasser Wärme und gibt sie über das Außengerät an die Umgebung ab. Das liefert Vorlauftemperaturen von 7 bis 20 °C und Kühlleistungen nahe der Heizleistung, bei einer 10-kW-Wärmepumpe rund 8 bis 9 kW. Alle Monoblock-Wärmepumpen, die wir einbauen, beherrschen diesen Umkehrbetrieb; nötig sind nur die richtige Hydraulik und die passenden Kühlflächen im Haus.
Kühlen über die Fußbodenheizung: leise, aber begrenzt
Die Fußbodenheizung eignet sich als Kühlfläche, weil sie groß ist. Im Sommer fließt 18 bis 20 °C kaltes Wasser durch die Rohre, der Boden wird 21 bis 22 °C kühl und nimmt Wärme aus dem Raum auf. Die Raumtemperatur sinkt um 2 bis 3 K, aus 28 °C werden 25 °C, ohne Zugluft und ohne Geräusch. Die Grenze setzt der Taupunkt: Wird der Boden kälter als die Taupunkttemperatur der Raumluft, bei 26 °C und 60 Prozent Luftfeuchte etwa 17,5 °C, bildet sich Kondenswasser auf Fliesen und Parkett.
Deshalb gehört zur stillen Kühlung ein Taupunktwächter: Fühler an Vorlauf und in den feuchtesten Räumen (Bad, Küche) messen Temperatur und Luftfeuchte, die Regelung hebt die Vorlauftemperatur an oder stoppt die Kühlung, bevor es tropft. Dazu kommen die Umschaltung der Raumthermostate auf Kühlbetrieb und die Kühlfreigabe am Heizkreisverteiler. Richtwert für das Taupunkt-Set mit Fühlern, Regelung und Einbindung: 400 bis 900 € brutto, abhängig von der Zahl der Heizkreise. Räume mit Holzboden oder Teppich kühlen schwächer, Bäder nehmen wir aus dem Kühlbetrieb heraus.
Gebläsekonvektoren (Fan-Coils): echte Kühlleistung
Wer im Sommer spürbar kühlen will, braucht Gebläsekonvektoren. Sie sehen aus wie Innengeräte einer Klimaanlage, werden aber mit kaltem Wasser aus der Wärmepumpe durchströmt. Ein Ventilator zieht Raumluft durch den Wärmetauscher, kühlt und entfeuchtet sie. Je Gerät sind 2 bis 5 kW Kühlleistung üblich, unsere Wandgeräte liefern 4,3 beziehungsweise 5,3 kW Kühlen und rund 5 bis 6 kW Heizen. Ein Gerät reicht für ein Wohnzimmer mit 30 bis 40 m², für ein Schlafzimmer genügt die kleine Größe.
Weil das Wasser mit 7 bis 12 °C deutlich kälter läuft, entsteht Kondensat, das über Siphon oder Kondensatpumpe abgeführt wird. Die Leitungen werden diffusionsdicht gedämmt, sonst schwitzen sie. Im Winter heizen Gebläsekonvektoren mit 35 bis 45 °C Vorlauf und ersetzen damit Heizkörper in Räumen, die sonst 60 °C bräuchten. Richtwert je Gerät montiert inklusive Thermostat, Kondensatableitung und Elektroanschluss: 1.200 bis 2.200 € brutto, dazu das Rohrnetz mit rund 60 bis 75 € je Meter. Ein Haus mit drei Geräten liegt bei 5.000 bis 8.000 €.
Warum Heizkörper nicht kühlen
Ein Heizkörper gibt Wärme vor allem durch Strahlung und freie Konvektion ab. Beides funktioniert beim Kühlen kaum: Die kalte Luft bleibt am Heizkörper liegen, es gibt keinen Ventilator, und die kleine Fläche liefert bei 18 °C Vorlauf nur wenige Dutzend Watt. Schlimmer ist das Kondensat: Heizkörper haben keinen Ablauf, das Wasser tropft auf den Boden und die Ventile korrodieren. Deshalb sperren wir Heizkörperkreise im Kühlbetrieb über Zonenventile ab und kühlen nur über Fußbodenheizung und Gebläsekonvektoren.
Kosten und Stromverbrauch beim Kühlen
Der Stromverbrauch beim aktiven Kühlen ist niedriger als beim Heizen, weil die Temperaturdifferenz klein ist: Die Wärmepumpe hebt Wärme von 18 °C Wasser auf 30 °C Außenluft, das ergibt Leistungszahlen von 3 bis 5. Ein Einfamilienhaus mit Fußbodenheizung braucht für 30 bis 40 Kühltage 200 bis 400 kWh, das sind 50 bis 100 € im Jahr; mit drei Gebläsekonvektoren und spürbarer Kühlung 400 bis 800 kWh. Mit Photovoltaik fällt der Kühlbetrieb genau in die Stunden mit Solarüberschuss, dann ist er nahezu kostenlos.
| Kühlweg | Raumabsenkung | Entfeuchtung | Geräusch | Strom pro Sommer EFH | Richtwert Mehrkosten brutto |
|---|---|---|---|---|---|
| Passiv über Erdsonde und Fußbodenheizung (nur Sole/Wasser) | 2 bis 3 K | nein | lautlos | 50 bis 150 kWh | 1.200 bis 2.500 € (Wärmetauscher, Taupunkt-Set) |
| Aktiv über Fußbodenheizung (reversible Luft/Wasser-WP) | 2 bis 3 K | nein | lautlos im Raum | 200 bis 400 kWh | 400 bis 900 € Taupunkt-Set |
| Aktiv über Gebläsekonvektoren, 3 Geräte | 5 bis 8 K, zielgenau je Raum | ja | 25 bis 40 dB(A) je Gerät | 400 bis 800 kWh | 5.000 bis 8.000 € inkl. Rohrnetz |
| Fußbodenheizung plus 1 bis 2 Gebläsekonvektoren im Wohn- und Schlafbereich | 2 bis 3 K Grundlast, 5 K punktuell | teilweise | leise | 300 bis 600 kWh | 2.500 bis 5.000 € |
| Split-Klimaanlage Monosplit je Raum, unabhängig von der Wärmepumpe | 5 bis 10 K | ja | 20 bis 35 dB(A) innen | 150 bis 300 kWh je Gerät | ab 3.641 € je Raum, Multisplit Duo ab 6.325 € |
Richtwerte aus unseren Beispielangeboten und dem Klima-Katalog Stand 10/2026; Stromverbrauch bei 30 bis 40 Kühltagen in Berlin und Brandenburg.
Wärmepumpe oder Split-Klimaanlage: was ist zum Kühlen besser?
Eine Split-Klimaanlage kühlt schneller, stärker und unabhängig von der Heizungsanlage, braucht aber ein eigenes Außengerät mit Kältemittelleitungen und kühlt nur den Raum, in dem das Innengerät hängt. Die reversible Wärmepumpe nutzt die vorhandene Technik mit und temperiert über die Fußbodenheizung das ganze Haus gleichmäßig. Für Schlafräume unter dem Dach mit 30 °C ist die Wärmepumpe über den Fußboden allein zu schwach, hier ergänzen ein Gebläsekonvektor oder ein Monosplit-Gerät.
Unsere Empfehlung für Berlin und Brandenburg: Bei Neubau oder Fußbodenheizung im Bestand das Taupunkt-Set von Anfang an einplanen, denn die 400 bis 900 € sind später teurer nachzurüsten. Bei Heizkörperhäusern ein bis zwei Gebläsekonvektoren in Wohnzimmer und Schlafzimmer, die im Winter zugleich Niedertemperatur-Heizflächen sind. Eine Split-Klimaanlage bleibt die richtige Wahl, wenn die Wärmepumpe nicht reversibel ist oder nur ein einzelner Raum gekühlt werden soll. Die Kühlfunktion ist nicht BEG-förderfähig; die Wärmepumpe als Heizung bleibt es.

