Warum das Dachgeschoss im Sommer überhitzt
Drei Faktoren treffen unterm Dach zusammen. Erstens die Dämmung: Viele Dächer aus den 1960er- bis 1990er-Jahren haben nur 8–12 cm Mineralwolle zwischen den Sparren, die Dachhaut darüber erreicht bei Sonne 60–80 °C. Selbst gut gedämmte Dächer leiten die Wärme zeitverzögert nach innen – am Abend, wenn Sie schlafen wollen. Zweitens die Dachflächenfenster: Eine schräg liegende Verglasung fängt im Sommer deutlich mehr Sonne ein als ein senkrechtes Fenster und bringt ohne Außenbeschattung an einem klaren Julitag mehrere Kilowattstunden Wärme in den Raum. Drittens die fehlende Speichermasse: Gipskarton, Dämmung und Holz nehmen tagsüber kaum Wärme auf – der Raum folgt der Außentemperatur fast ohne Verzögerung.
Das Ergebnis: Nachts kühlt das Dachgeschoss kaum unter 27 °C ab, Querlüften bringt in Tropennächten wenig, ein Ventilator verteilt nur warme Luft. Eine Klimaanlage führt die Wärme dagegen aktiv nach außen ab und entfeuchtet die Luft gleich mit.
- Dachhaut bei Sonne 60–80 °C, Wärme kommt zeitverzögert am Abend an
- Dachflächenfenster: Schräglage = deutlich höherer Wärmeeintrag als senkrechte Fenster
- Leichtbau ohne Speichermasse: Raumtemperatur folgt der Außenluft fast ohne Puffer
Welche Klimaanlage passt ins Dachgeschoss?
Für einen einzelnen Dachraum ist eine Monosplit-Anlage die erste Wahl: ein Innengerät im Raum, ein Außengerät draußen. Das klassische Wandgerät braucht eine senkrechte Wandfläche von etwa 90 × 30 cm mit mindestens 15 cm Abstand zur Decke – im Dachgeschoss meist der Giebel oder die Drempelwand. Wo keine gerade Wand frei ist, setzen wir ein Truhengerät: Es steht wie ein Heizkörper am Boden unter der Dachschräge, bläst die kalte Luft nach oben in den Raum und kommt mit Deckenhöhen ab 1,20 m an der Schräge aus.
Werden zwei oder drei Dachräume gekühlt – typisch Schlafzimmer, Kinderzimmer und Arbeitszimmer –, verbindet eine Multisplit-Anlage alle Innengeräte mit einem einzigen Außengerät. Das spart Stellfläche und Genehmigungsaufwand; jeder Raum bekommt seine eigene Regelung, Wand- und Truhengeräte lassen sich frei mischen.
- 1 Dachraum: Monosplit mit Wandgerät (gerade Wand) oder Truhengerät (unter der Schräge)
- 2–3 Dachräume: Multisplit Duo/Trio mit einem Außengerät, Innengeräte frei kombinierbar
- Offener Dachboden: ein stärkeres Gerät mit guter Luftführung statt mehrerer kleiner
Wohin mit dem Außengerät?
Im Dachgeschoss ist der Standort des Außengeräts die eigentliche Planungsaufgabe. Auf einem Flachdach oder einer Dachterrasse steht das Gerät auf Bodenkonsolen mit Schwingungsdämpfern – kurze Leitungswege, keine Fassadenoptik, aber Dachabdichtung und Statik sind zu beachten. An der Fassade unterhalb der Traufe hängt es auf einer Wandkonsole; dafür braucht es Gerüst oder Hubsteiger und an der Straßenseite meist eine Genehmigung. Auf Balkon oder Loggia der Dachwohnung steht es am Boden – der geringste Eingriff. Am Giebel lässt es sich auf einer Konsole oder auf dem Dach eines Anbaus montieren.
Die Leitungen laufen durch die Dachschräge über ein Dachdurchführungs-Set (dicht in die Dachhaut eingebunden wie ein Entlüftungsrohr), durch die Drempelwand oder im Kabelkanal an der Fassade nach unten. Weil das Innengerät oft unter der Schräge ohne Gefälle zum Ablauf sitzt, gehört ins Dachgeschoss fast immer eine Kondensatpumpe, die das Tauwasser über eine dünne Leitung nach außen oder zum nächsten Abfluss fördert. Leitungswege über 5 m, Dachdurchführung und Pumpe weisen wir im Angebot einzeln aus.
Dimensionierung: Wie viel Kühlleistung braucht ein Dachraum?
Während im Wohnbereich darunter 60–100 W/m² ausreichen, planen wir im Dachgeschoss mit 80–120 W/m², bei großen Dachfenstern nach Süden oder Westen bis 140 W/m². Für ein Schlafzimmer mit 25 m² ergibt das 2,5–3,5 kW; ein großzügiges Dachstudio mit 45 m² braucht 4,5–5 kW. Zu klein ausgelegt läuft die Anlage im Dauerbetrieb und erreicht an heißen Tagen die Zieltemperatur nicht; zu groß taktet sie und entfeuchtet schlechter. Entscheidend ist das Aufmaß vor Ort mit Blick auf Dämmung, Fensterflächen und Ausrichtung.
| Dachraum | Fläche | Kühlleistung (80–120 W/m²) | Gerät |
|---|---|---|---|
| Kinder-/Arbeitszimmer | 12–18 m² | 1,5–2,2 kW | Wandgerät 2,0–2,5 kW |
| Schlafzimmer | 20–25 m² | 2,0–3,0 kW | Wandgerät 2,5 kW, leise |
| Schlafzimmer mit Südfenster | 25 m² | 2,5–3,5 kW | Wandgerät 3,5 kW |
| Wohnraum unter der Schräge | 30–40 m² | 3,0–4,8 kW | Truhengerät 3,5–5,0 kW |
| Offenes Dachstudio | 45–60 m² | 4,5–7,0 kW | Wandgerät 5,0–7,0 kW oder 2 Geräte |
Richtwerte TASG Haustechnik für ausgebaute Dachgeschosse in Berlin und Brandenburg; verbindliche Auslegung nach VDI 2078 / Aufmaß vor Ort.
Mietwohnung, Eigentümergemeinschaft und Denkmalschutz
Das Außengerät an Dach, Fassade oder Balkon ist eine bauliche Veränderung. In der Dachgeschoss-Mietwohnung brauchen Sie die schriftliche Zustimmung des Vermieters, in der Eigentumswohnung einen Beschluss nach § 20 WEG – das Dach gehört immer zum Gemeinschaftseigentum. Wir stellen Datenblatt, Schallwerte und einen Montagevorschlag zusammen, der den Eingriff klein hält, etwa die Hofseite statt der Straßenfassade oder eine Aufstellung hinter der Attika, die von der Straße nicht sichtbar ist.
Beim ausgebauten Berliner Altbau-Dachgeschoss kommt oft der Denkmalschutz hinzu: Straßenfassade und Dachansicht vom öffentlichen Raum sind geschützt, Hofseite und innenliegende Dachflächen meist genehmigungsfähig. Das Bezirksamt entscheidet im Einzelfall; ein Antrag mit Ansichtszeichnung und Gerätedaten beschleunigt das Verfahren. Wo gar kein Außengerät genehmigt wird, bleibt ein Monoblock-Fassadengerät als Ausweg.
- Mietwohnung: schriftliche Vermieterzustimmung mit Rückbau- und Haftungsregelung
- WEG: Beschluss nach § 20 WEG, Dach ist Gemeinschaftseigentum
- Denkmalschutz: Hofseite und innenliegende Dachflächen zuerst prüfen, Antrag beim Bezirksamt
Was kostet eine Klimaanlage im Dachgeschoss?
Die Gerätepakete sind dieselben wie in jeder anderen Etage; teurer wird im Dachgeschoss nur der Weg nach draußen. Die folgenden Richtwerte gelten brutto inkl. 19 % MwSt. und Standardmontage, der verbindliche Preis folgt nach dem Aufmaß. Den Lohnanteil setzen Privatkunden nach § 35a EStG mit 20 % (max. 1.200 €/Jahr) von der Steuer ab – wir weisen ihn auf der Rechnung getrennt aus.
| Lösung | Umfang | Richtwert brutto |
|---|---|---|
| Monosplit, 1 Dachraum | Wand- oder Truhengerät, Standardmontage | ab 3.641 € |
| Multisplit Duo, 2 Dachräume | 2 Innengeräte, 1 Außengerät | ab 6.325 € |
| Multisplit Trio, 3 Dachräume | 3 Innengeräte, 1 Außengerät | ab 9.085 € |
| Zuschlag Dach-/Fassadenmontage | Dachdurchführung, Konsole, Gerüst oder Hubsteiger | 400–1.500 € |
| Kondensatpumpe | inkl. Leitung und Anschluss | nach Aufwand, im Angebot ausgewiesen |
| Beispiel: Monosplit Schlafzimmer 2,5 kW komplett | inkl. Kernbohrung, Kondensat, Elektro, Kabelkanal, F-Gase-Doku | ca. 7.000 € |
Komplettpakete TASG, Stand 10/2026, brutto inkl. 19 % MwSt. Zuschläge je nach Dachform, Höhe und Zugänglichkeit; verbindlich nach Aufmaß.
Alternativen und sinnvolle Ergänzungen
Ein mobiles Klimagerät mit Abluftschlauch aus dem Dachfenster ist für wenige Hitzetage eine Notlösung – laut (55–65 dB(A)), zieht warme Luft nach und schafft im Dachgeschoss selten mehr als 3–4 K Absenkung. Wirksamer als Ergänzung ist eine Außenbeschattung der Dachfenster (Hitzeschutz-Markise oder Rollladen), die den Wärmeeintrag um bis zu 90 % senkt und die nötige Kühlleistung reduziert. Nächtliches Querlüften hilft nur, wenn die Außenluft unter die Raumtemperatur fällt. Wer ohnehin saniert, bringt die Dachdämmung auf heutigen Stand – das macht die Klimaanlage kleiner und günstiger.
- Außenbeschattung der Dachfenster: bis zu 90 % weniger Wärmeeintrag
- Mobile Geräte: laut, ineffizient, nur für wenige Tage
- Dachdämmung nachrüsten: kleinere Klimaanlage, weniger Stromverbrauch

