Schritt 1: Räume, Lasten und Innengerätetypen
Die Planung beginnt in den Räumen, nicht am Außengerät. Für jeden Raum ermitteln wir die Kühllast aus Fläche, Raumhöhe, Fensterfläche und Ausrichtung, Dämmstandard und inneren Wärmequellen – als Faustwert 60–100 W/m² im Wohnbereich, 100–150 W/m² im Dachgeschoss oder bei Südverglasung. Daraus folgt die Leistungsklasse: Wandgeräte mit 2,2 / 2,5 / 3,2 / 4,6 / 6,2 kW, Deckenkassetten mit 2,7 / 3,5 / 5,3 kW.
Die Bauform richtet sich nach Raum und Nutzung: Wandgeräte sind Standard und überall montierbar. Truhengeräte sitzen unter dem Fenster wie ein Heizkörper – ideal, wenn vor allem geheizt wird oder Dachschrägen keine Wandfläche lassen. Deckenkassetten verschwinden bündig in abgehängten Decken und verteilen die Luft in vier Richtungen, passend für Büros und Praxen. Kanalgeräte liegen unsichtbar in der Zwischendecke und versorgen über Luftauslässe auch zwei kleine Räume. Innerhalb einer Multisplit-Anlage lassen sich alle Bauformen kombinieren.
Schritt 2: Außengerät-Standort und Leitungsführung
Der Standort des Außengeräts bestimmt Leitungslängen, Schall beim Nachbarn und Montageaufwand. Ideal ist eine Stelle mit kurzen Wegen zu allen Innengeräten, freier Luftführung (30 cm hinten, 50–100 cm vorn), tragfähigem Untergrund, Kondensatablauf und wenig Direktsonne. Balkon, Terrasse, Flachdach und Fassade mit Konsole sind die häufigsten Lösungen; Dachaufstellung braucht Schwingungsdämpfer und meist Gerüst.
Bei Multisplit-Anlagen führt in der Regel je Innengerät ein eigenes Leitungspaar sternförmig zum Außengerät, das für jeden Anschluss ein eigenes Expansionsventil hat. Manche Hersteller bieten alternativ Verteilerboxen für mehrere Innengeräte – das spart Fassadenlänge, braucht aber einen zugänglichen Einbauort. Die zulässigen Längen sind Herstellerwerte; die Tabelle nennt Richtwerte, die bei aktuellen Wohn-Multisplits üblich sind.
| Planungsgröße | Richtwert (typisch) | Hinweis |
|---|---|---|
| Leitungslänge je Innengerät | bis 20–25 m | Herstellerangabe je Gerät; kurze Wege = Effizienz |
| Gesamtleitungslänge aller Stränge | bis 50–80 m | ab Grenzlänge Kältemittel nachfüllen |
| Höhendifferenz Außen- zu Innengerät | bis 10–15 m | ab ca. 5 m Ölhebebögen in der Steigleitung |
| Rohrdurchmesser je Strang | 6,35 / 9,52 mm (2,2–3,5 kW), 6,35 / 12,7 mm (4,6–6,2 kW) | Flüssig-/Saugleitung, Kältemittelkupfer nach EN 12735 |
| Nachfüllmenge über Grundlänge | ca. 15–25 g je Meter | abhängig von Durchmesser und Kältemittel |
| Kondensatgefälle | mind. 1–2 % (1–2 cm je Meter) | sonst Kondensatpumpe, Förderhöhe bis ca. 10 m |
| Elektro-Zuleitung Außengerät | eigener Stromkreis, 16–20 A, FI 30 mA | ab ca. 7 kW ggf. Drehstrom |
| Vakuum vor Inbetriebnahme | unter 500 µm (0,5 mbar), Haltezeit 15–30 min | Dichtheitsprüfung mit Stickstoff, Protokoll |
Richtwerte TASG Haustechnik, Stand 10/2026, für Wohn-Multisplit 2–5 Innengeräte. Verbindlich sind ausschließlich die Installationsanleitungen der Hersteller; Vakuum- und Dichtheitswerte orientieren sich an DIN EN 378 und Herstellervorgaben.
Schritt 3: Verrohrung – Kupfer, Dämmung, Löten oder Bördeln
Kältemittelleitungen bestehen aus nahtlosem Kupferrohr in Kältemittelqualität (entfettet, innen sauber, verschlossen geliefert): 6,35 mm (1/4 Zoll) für die Flüssigkeitsleitung, 9,52 oder 12,7 mm (3/8 bzw. 1/2 Zoll) für die Saugleitung. Sanitär-Kupferrohr ist ungeeignet. Beide Rohre werden einzeln mit geschlossenzelliger Dämmung von mindestens 9 mm, außen und bei R32 besser 13 mm, isoliert – sonst schwitzt die kalte Saugleitung und die Dämmung saugt sich voll.
Verbunden wird auf zwei Arten. An Innen- und Außengerät sitzen Bördelverbindungen: Das Rohrende wird konisch aufgeweitet und mit einer Überwurfmutter gegen das Gerät gezogen – mit Drehmomentschlüssel, denn zu fest reißt der Bördel, zu locker leckt er. Verlängerungen im Strang werden hartgelötet, dabei strömt Stickstoff als Schutzgas durch das Rohr, damit innen kein Zunder entsteht, der später Expansionsventil und Verdichter beschädigt. Jede Verbindung ist eine mögliche Leckagestelle; deshalb halten wir Leitungen möglichst in einem Stück.
- Kupferrohr in Kältemittelqualität, Durchmesser nach Herstellertabelle
- Dämmung geschlossenzellig ≥ 9 mm, außen und bei R32 13 mm, UV-fest im Kanal
- Bördel mit Drehmoment, Lötstellen mit Stickstoff-Schutzgas
Quick-Connect-Kupplungen: Möglichkeiten und Grenzen
Quick-Connect-Systeme liefern vorgefüllte Leitungen in festen Längen (meist 3, 5, 7 oder 10 m) mit Schnellkupplungen, die beim Zusammenschrauben ein Ventil öffnen; Vakuumpumpe und Löten entfallen. Bei Multisplit-Anlagen stoßen sie an Grenzen: Jeder Strang braucht die passende Festlänge, Überlängen liegen sichtbar in Schleifen, Kürzen ist nicht möglich, und die Füllmenge des Außengeräts passt nur für definierte Längenkombinationen.
Rechtlich ändert Quick-Connect nichts: Das Kuppeln ist eine Installation an einer R32-Anlage und damit nach EU-F-Gase-Verordnung 2024/573 und ChemKlimaschutzV zertifiziertem Personal vorbehalten. Wir setzen Quick-Connect ein, wo Längen exakt passen und Löten vor Ort nicht möglich ist; bei Multisplit-Projekten überwiegend klassische Verrohrung mit Vakuum.
Schritt 4: Kondensat, Kabelkanal und Abkofferung
Jedes Innengerät produziert beim Kühlen 0,5–2 Liter Kondensat je Stunde, das mit mindestens 1–2 % Gefälle abfließen muss – durch die Kernbohrung nach außen auf einen Tropfpunkt, in eine Regenrinne oder über einen Siphon in die Hausentwässerung. Liegt der Raum innen oder steigt der Weg, übernimmt eine Kondensatpumpe im oder neben dem Innengerät die Förderung bis etwa 10 m Höhe; sie braucht Strom und wird in der Wartung mitgeprüft.
Leitungen, Kondensatschlauch und Steuerkabel laufen außen im UV-festen Kabelkanal in Fassadenfarbe, innen im Kanal, in einer Gipskarton-Abkofferung oder bei Sanierung unter Putz – möglichst ohne Fenster, Rollladenkästen und Fallrohre zu kreuzen.
Schritt 5: Elektro – Zuleitung, FI und Steuerleitung
Ein Multisplit-Außengerät ab etwa 5 kW gehört an einen eigenen Stromkreis mit Leitungsschutzschalter 16–20 A und Fehlerstromschutzschalter 30 mA; ab rund 7 kW setzen manche Hersteller Drehstrom voraus. Die Zuleitung läuft vom Zählerschrank zum Außengerät mit Revisionsschalter in dessen Nähe. Von dort geht je Innengerät eine Steuer- und Versorgungsleitung parallel zur Kältemittelleitung – die Innengeräte haben keinen eigenen Netzanschluss.
Arbeiten an der festen Elektroinstallation sind der Elektrofachkraft vorbehalten und werden mit Messprotokoll übergeben. Eine vorhandene Außensteckdose ersetzt den eigenen Stromkreis nicht.
Schritt 6: Inbetriebnahme – Vakuum, Dichtheit, Nachfüllung, Protokoll
Nach der Verrohrung wird jeder Strang mit trockenem Stickstoff auf Dichtheit geprüft – Druck halten über mindestens 15–30 Minuten. Dann evakuiert die Vakuumpumpe Leitungen und Innengerät auf unter 500 Mikrometer (0,5 mbar), gemessen mit dem Mikron-Messgerät; steigt der Druck in der Haltezeit, ist Feuchte oder eine Leckage im System. Erst danach werden die Ventile am Außengerät geöffnet und das werkseitig eingefüllte Kältemittel strömt in die Leitungen.
Übersteigt die Gesamtleitungslänge die vorgefüllte Grundlänge, wird nach Herstellertabelle Kältemittel nachgefüllt – als Richtwert 15–25 g je zusätzlichem Meter, gewogen mit der Kältemittelwaage. Zum Abschluss laufen Kühl- und Heiztest mit Messung von Überhitzung, Unterkühlung und Lufttemperaturen. Das Inbetriebnahmeprotokoll mit Vakuumwert, Prüfdruck, Füllmenge und Messwerten ist Grundlage der Herstellergarantie; die F-Gase-Dokumentation mit Kältemittelart, Menge und CO₂-Äquivalent sowie das Anlagenlogbuch übergeben wir dem Betreiber.
Vom Konfigurator zum Aufmaß
Für den Einstieg genügt unser Klima-Konfigurator: Räume mit Fläche und Ausrichtung eingeben, Innengeräte-Leistungen und Paketvorschlag erhalten (Duo ab 6.325 €, Trio ab 9.085 €, Quattro ab 12.750 € brutto inkl. Standardmontage), Fotos des Außengerät-Standorts hochladen. Beim Aufmaß messen wir Leitungswege und Höhen, prüfen Wände, Elektro und Kondensatwege und erstellen das verbindliche Angebot mit allen Nebenarbeiten. Termine vergeben wir nach Eingang und Priorität.

