Was ist eine Split-Klimaanlage?
„Split“ heißt schlicht „geteilt“: Die Anlage besteht aus einem Innengerät im Raum und einem Außengerät an Fassade, Balkon, Dach oder Boden. Beide sind über eine Kältemittelleitung aus zwei isolierten Kupferrohren, eine Steuerleitung und einen Kondensatschlauch verbunden. Die Wärme wandert mit dem Kältemittel durch die Wand – deshalb genügt eine Kernbohrung von 60–80 mm statt eines Abluftschlauchs im Fenster.
Hängt genau ein Innengerät am Außengerät, spricht man von Single-Split oder Monosplit; „Splitgerät“, „Split-Klimagerät“ und „Split-Klimaanlage“ meinen dasselbe. Versorgt ein Außengerät zwei bis fünf Innengeräte, heißt das System Multisplit. Beide arbeiten nach demselben Prinzip: dem Kältekreis.
Der Kältekreis in vier Schritten
Das Herz jeder Klimaanlage ist ein geschlossener Kreislauf, in dem ein Kältemittel ständig zwischen flüssig und gasförmig wechselt. Beim Verdampfen nimmt es Wärme auf, beim Verflüssigen gibt es Wärme ab – wie Schweiß, der auf der Haut verdunstet und kühlt. Vier Bauteile halten den Kreis in Gang.
Im Verdampfer des Innengeräts strömt Raumluft über einen Lamellen-Wärmetauscher, in dem das Kältemittel bei niedrigem Druck und etwa 5–10 °C verdampft; die Luft kühlt um 10–15 K ab. Der Verdichter im Außengerät komprimiert das Gas auf hohen Druck, wobei es sich auf 60–80 °C erhitzt. Im Verflüssiger bläst ein Ventilator Außenluft über die heißen Lamellen – das Kältemittel kondensiert und gibt die Raumwärme nach draußen ab. Das Expansionsventil entspannt die Flüssigkeit wieder auf niedrigen Druck, sie kühlt stark ab und fließt zurück zum Verdampfer.
Als Kältemittel hat sich R32 durchgesetzt: ein fluoriertes Gas mit Treibhauspotenzial (GWP) 675, rund ein Drittel des älteren R410A. Weil die EU-F-Gase-Verordnung 2024/573 fluorierte Kältemittel schrittweise verknappt, kommen zunehmend Geräte mit Propan (R290, GWP 3) auf den Markt – effizient, aber brennbar, weshalb für Aufstellung und Füllmengen die DIN EN 378 gilt.
| Bauteil | Wo | Aufgabe im Kühlbetrieb | Typische Werte |
|---|---|---|---|
| Verdampfer | Innengerät | Kältemittel verdampft, nimmt Raumwärme auf | ca. 5–10 °C Verdampfungstemperatur |
| Verdichter (Inverter) | Außengerät | komprimiert das Gas, treibt den Kreis an | 20–100 % Drehzahl, 60–80 °C Heißgas |
| Verflüssiger | Außengerät | Kältemittel kondensiert, gibt Wärme an Außenluft ab | Ventilator 1.500–3.000 m³/h |
| Expansionsventil | Außengerät | entspannt die Flüssigkeit, senkt Druck und Temperatur | elektronisch geregelt |
| Vierwegeventil | Außengerät | kehrt den Kreis um – Heizbetrieb | schaltet in Sekunden |
| Kältemittel R32 / R290 | im Kreis | Wärmeträger zwischen innen und außen | GWP 675 / 3; Füllmenge 0,6–2 kg |
Zusammenstellung TASG Haustechnik, Stand 10/2026. Werte sind typische Bereiche aktueller Wandgeräte 2,5–6,2 kW; Herstellerangaben gehen vor.
Innen- und Außengerät: Was wo passiert
Das Innengerät ist leise und leicht, weil es nur Wärmetauscher, Querstromlüfter, Filter und Elektronik enthält. Es gibt Wandgeräte (Standard, 2,2–6,2 kW), Truhen, Deckenkassetten (2,7–5,3 kW, bündig in abgehängten Decken) und Kanalgeräte, die unsichtbar über Luftauslässe arbeiten.
Das Außengerät trägt die schwere Technik: Verdichter, Verflüssiger, Ventilator, Expansionsventil und Inverter-Elektronik. Es wiegt je nach Leistung 25–60 kg und braucht freie Luftführung – mindestens 30 cm Abstand hinten und 50–100 cm vorn, damit die warme Abluft nicht wieder angesaugt wird. Im Heizbetrieb entsteht hier Tauwasser, deshalb braucht auch das Außengerät einen Kondensatablauf.
Inverter-Technik: Warum moderne Geräte nicht takten
Ältere Klimageräte kannten nur „an“ und „aus“: Der Verdichter lief mit voller Leistung bis zur Solltemperatur und schaltete dann ab – mit Temperaturschwankungen, Anlaufstrom und Verschleiß. Ein Inverter regelt die Verdichterdrehzahl stufenlos zwischen etwa 20 und 100 %: Die Anlage fährt beim Einschalten kurz hoch, kühlt den Raum zügig ab und hält die Temperatur dann mit kleiner Leistung auf ± 0,5 K.
Deshalb schadet Überdimensionierung: Ein 6,2-kW-Gerät in einem 20-m²-Raum kann nicht weit genug herunterregeln, taktet und entfeuchtet schlecht. Richtig ausgelegt – 60–100 W Kühlleistung je m² im Wohnbereich – arbeitet der Inverter meist im effizientesten Teillastbereich und verbraucht bis zu 30 % weniger als ein Ein/Aus-Gerät.
Heizen durch Umkehrung: die Luft-Luft-Wärmepumpe
Ein Vierwegeventil im Außengerät dreht die Strömungsrichtung um: Der Außen-Wärmetauscher wird zum Verdampfer und entzieht der Außenluft Wärme – auch bei −10 °C steckt noch nutzbare Energie darin –, das Innengerät wird zum Verflüssiger und bläst warme Luft in den Raum. Physikalisch ist die Split-Klimaanlage damit eine Luft-Luft-Wärmepumpe: Aus 1 kWh Strom werden über die Heizsaison im Mittel 4–5 kWh Wärme (SCOP).
Die meisten Wandgeräte heizen bis −15 °C, Winter-Modelle bis −25 °C. Bei Frost vereist der Außen-Wärmetauscher und wird alle 40–90 Minuten kurz abgetaut. Warmwasser erzeugt die Anlage nicht – als Übergangsheizung ist sie jedoch günstiger als jeder Heizlüfter und ersetzt im gut gedämmten Haus im Frühjahr und Herbst die Zentralheizung.
Kennzahlen: SEER, SCOP und das Energielabel
Die Effizienz steht nicht in Watt, sondern in zwei Jahresarbeitszahlen: Der SEER (Seasonal Energy Efficiency Ratio) beschreibt das Verhältnis von Kälteleistung zu Stromaufnahme über eine Standard-Kühlsaison inklusive Teillast, der SCOP (Seasonal Coefficient of Performance) dasselbe fürs Heizen. Das EU-Energielabel übersetzt das in Klassen: Kühlen A+++ ab SEER 8,5, A++ ab 6,1, A+ ab 5,6; Heizen (mittleres Klima) A+++ ab SCOP 5,1, A++ ab 4,6, A+ ab 4,0.
Ein Wandgerät mit 3,5 kW und SEER 7 nimmt im Saisonmittel rund 0,5 kW auf; bei 400 Kühlstunden sind das 200 kWh oder etwa 60 € Strom im Jahr. Auf dem Label stehen außerdem die Schallleistung innen und außen in dB(A) und der Jahresstromverbrauch – vergleichen Sie Geräte über SEER/SCOP, nicht über die Watt-Angabe.
Kondensat und Lautstärke
Beim Kühlen kondensiert Luftfeuchte am kalten Verdampfer – je nach Wetter 0,5–2 Liter pro Stunde. Das Wasser läuft aus der Kondensatwanne mit mindestens 1–2 % Gefälle nach außen oder in einen Abfluss; ohne Gefälle übernimmt eine Kondensatpumpe. Falsch geführtes Kondensat ist der häufigste Montagefehler – Flecken an der Fassade oder Feuchte in der Wand sind die Folge.
Innengeräte laufen in der niedrigsten Stufe mit 19–25 dB(A), leiser als ein Flüstern. Außengeräte erreichen 45–55 dB(A) Schallleistung und regeln im Nachtmodus herunter. Für Nachbarn gilt die TA Lärm: nachts 35 dB(A) im reinen und 40 dB(A) im allgemeinen Wohngebiet am Fenster des Nachbarn – Abstand, Schwingungsdämpfer und Standortwahl entscheiden darüber.
Abgrenzung: Single-Split, Multisplit, VRF, Monoblock und mobile Geräte
Mehrere Bauarten heißen „Klimaanlage“, arbeiten aber sehr unterschiedlich. Für Wohnung und Haus sind Single-Split und Multisplit die Regel; VRF-Systeme gehören ins Gewerbe.
- Single-Split / Monosplit: ein Innen-, ein Außengerät – ein Raum, ab 3.641 € inkl. Montage
- Multisplit: zwei bis fünf Innengeräte an einem Außengerät – Wohnung oder Haus, Duo ab 6.325 €
- VRF/VRV: viele Innengeräte, gleichzeitig heizen und kühlen – Büro, Hotel, Praxis
- Monoblock (fest): Technik komplett innen, zwei Wanddurchführungen – weniger effizient, lauter
- Mobiles Klimagerät: Abluftschlauch im gekippten Fenster – nur Notlösung, 50–60 dB(A) im Raum

