Was ist eine dezentrale Lüftungsanlage?
Dezentrale Lüftungsgeräte sitzen in einer Kernbohrung der Außenwand (je nach Gerät ca. 160–250 mm Durchmesser) und versorgen den jeweiligen Raum direkt. Die verbreitetste Bauart ist der Pendellüfter: Ein Ventilator fördert etwa 70 Sekunden Abluft nach außen und lädt dabei einen Keramik-Wärmespeicher auf, dann kehrt er die Richtung um und erwärmt die einströmende Außenluft am Speicher. Zwei Geräte arbeiten dabei paarweise gegenläufig, damit die Luftbilanz in der Wohnung ausgeglichen bleibt.
Daneben gibt es Einzelraumgeräte mit Gegenstrom-Wärmetauscher, die gleichzeitig zu- und abführen (zwei Öffnungen oder ein Doppelrohr) und sich für Bäder und innenliegende Räume mit Abluftlösung kombinieren lassen. Der Wärmebereitstellungsgrad liegt je nach Bauart bei 70–90 %, die Luftmenge je Gerät bei 15–60 m³/h.
Kosten einer dezentralen Lüftungsanlage
Die Kosten steigen nahezu linear mit der Gerätezahl, weil jedes Gerät Kernbohrung, Elektroanschluss und Außenblende braucht. Der Preis je Gerät sinkt bei mehreren Geräten im gleichen Termin. Unsere Komplettpakete inklusive Montage, Kernbohrung, Elektroanschluss und Inbetriebnahme:
| Gerätezahl | Typische Nutzung | Kosten inkl. Montage (brutto) |
|---|---|---|
| 2 Geräte (1 Paar) | Schlafzimmer + Wohnzimmer, Schimmelschutz einzelner Räume | ab 2.590 € |
| 4 Geräte (2 Paare) | 2–3-Zimmer-Wohnung, Kinderzimmer + Elternschlafzimmer | ab 4.790 € |
| 6 Geräte (3 Paare) | Wohnung mit 4 Zimmern oder EFH-Etage | Richtwert ab ca. 6.900 € |
| 8 Geräte (4 Paare) | Einfamilienhaus komplett | Richtwert ab ca. 8.900 € |
| Zusatz: Abluftgerät Bad/WC | innenliegende Räume | nach Aufmaß |
Komplettpakete ab-Preis; ab 6 Geräten Richtwert. Verbindliches Angebot nach Aufmaß und Lüftungskonzept nach DIN 1946-6. Förderfähig über BEG (Anlagentechnik) oder § 35a EStG.
Vor- und Nachteile im Überblick
Dezentrale Lüftung ist keine schlechtere zentrale Lüftung, sondern eine andere Lösung mit eigenem Profil. Die Entscheidung fällt nach Gebäude, Raumanzahl und Umgebung.
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Nachrüstung ohne Kanalnetz – eine Kernbohrung je Gerät, meist an einem Tag installiert | Mehrere Geräte = mehrere Filter- und Wartungspunkte |
| Geringe Investition, raumweise erweiterbar | Fassadendurchbrüche und sichtbare Außenblenden (Denkmalschutz, WEG) |
| Raumweise Regelung nach Bedarf, Feuchtesensor je Gerät | Windanfälligkeit: bei Winddruck kann die Luftbilanz kippen |
| Wärmerückgewinnung 70–90 %, Schimmelschutz | Schallschutz der Wand wird an der Bohrung reduziert |
| Kein Technikraum, kein Platzbedarf für Kanäle | Eigengeräusch im Raum (leise Stufe ca. 20–30 dB(A)) |
| Ideal für Mietwohnung, WEG-Einheit, Teilsanierung | Weniger geeignet für Küchen mit hoher Feuchte-/Fettlast und viele Räume |
Altbau, Mietwohnung und Fassade
Im Altbau sind dezentrale Geräte die meistgewählte Nachrüstlösung: Dicke Mauerwerkswände sind kein Problem (Laibungsrohr wird auf Wandstärke gekürzt), ein Kanalnetz wäre in bewohnten Wohnungen kaum unterzubringen. Bei gedämmten Fassaden (WDVS) wird die Kernbohrung mit Laibungsrohr durch die Dämmung geführt und mit Wetterschutzhaube abgedichtet. In Mietwohnungen ist die Zustimmung des Vermieters nötig, weil die Fassade verändert wird; viele Vermieter setzen dezentrale Lüftung selbst als Modernisierungsmaßnahme gegen Schimmel ein. In Eigentümergemeinschaften ist die Außenwand Gemeinschaftseigentum – der Eingriff braucht einen Beschluss.
Die Platzierung an der Fassade folgt technischen und gestalterischen Regeln: nicht direkt neben Nachbarfenstern, ausreichend Abstand zu Küchen- oder Bad-Abluft, gleichmäßige Anordnung, Außenblende in Fassadenfarbe. Bei denkmalgeschützten Fassaden stimmen wir Lage und Ausführung mit der Denkmalbehörde ab oder weichen auf die Hofseite aus.
- Altbau: Kernbohrung durch Mauerwerk, Laibungsrohr auf Wandstärke
- WDVS: Bohrung mit Rohr durch die Dämmung, Anschluss dicht und schlagregensicher
- Mietwohnung: Vermieterzustimmung erforderlich; WEG: Beschluss über die Fassade
- Denkmalschutz: Abstimmung mit der Behörde, ggf. Hofseite
Schall: Eigengeräusch und Außenlärm
Zwei Schallfragen sind zu klären. Erstens das Eigengeräusch: Auf der niedrigen Stufe liegen gute Geräte bei etwa 20–30 dB(A) im Raum, auf hoher Stufe deutlich darüber – für Schlafzimmer ist die Nachtstufe entscheidend. Zweitens der Außenlärm: Jede Wandöffnung schwächt die Schalldämmung der Wand; Geräte erreichen je nach Bauart eine Normschallpegeldifferenz von etwa 40–50 dB. An stark befahrenen Straßen empfehlen wir Ausführungen mit zusätzlichem Schalldämmset oder die Anordnung zur ruhigen Seite.
Ebenfalls zu beachten: Bei starkem Wind an exponierten Fassaden kann die Luftbilanz zwischen den Gerätepaaren kippen. Moderne Geräte gleichen das über Druckkompensation aus; bei Hochhauslagen prüfen wir die Eignung vorab.
Wann ist eine zentrale Lüftung die bessere Wahl?
Ab etwa sechs bis acht zu lüftenden Räumen, im Neubau und bei einer Kernsanierung mit Möglichkeiten für ein Kanalnetz ist die zentrale KWL meist effizienter und wartungsärmer – ein Gerät, ein Filterwechsel, höhere Wärmerückgewinnung. Für einzelne Räume, Mietwohnungen und den bewohnten Bestand bleibt die dezentrale Lösung die wirtschaftlichere Wahl. Wir legen beide Varianten nach DIN 1946-6 aus und empfehlen nach Gebäude, nicht nach Katalog.

