RLT-Anlage – Bedeutung und Abgrenzung
Der Begriff raumlufttechnische Anlage (RLT-Anlage) stammt aus der DIN 1946 und wird heute in der DIN EN 16798 fortgeführt. Er umfasst alle maschinellen Anlagen, die Räume mit aufbereiteter Luft versorgen. Die Luftbehandlung kann bis zu vier thermodynamische Funktionen umfassen: Heizen, Kühlen, Befeuchten und Entfeuchten. Danach richtet sich die Bezeichnung: Eine Lüftungsanlage fördert und filtert nur, eine Teilklimaanlage übernimmt ein bis drei Funktionen, eine Vollklimaanlage alle vier.
Im Wohnbau spricht man von kontrollierter Wohnraumlüftung (KWL), im Nichtwohnbau – Büro, Hotel, Gastronomie, Schule, Produktion – von RLT-Anlagen. Der Unterschied zur Klimaanlage im Alltagssinn: Ein Split-Klimagerät wälzt Raumluft um und kühlt sie, führt aber keine Außenluft zu. Eine RLT-Anlage sorgt primär für Frischluft und kann zusätzlich temperieren.
Aufbau einer RLT-Anlage: Komponenten und ihre Funktion
Der Luftweg verläuft in der Reihenfolge Außenluft (ODA) → Zentralgerät → Zuluft (SUP) → Raum → Abluft (ETA) → Zentralgerät → Fortluft (EHA). Im Zentralgerät sind die Komponenten als Kammern hintereinander angeordnet – das ergibt das typische RLT-Schema.
| Komponente | Funktion | Hinweis |
|---|---|---|
| Außenluftansaugung mit Wetterschutzgitter und Absperrklappe | Luftansaugung, Schutz vor Regen, Laub, Vögeln | Abstand zu Fortluft und Schadstoffquellen einhalten |
| Filterstufen | Abscheidung von Feinstaub, Pollen, Ruß | ISO 16890: ePM1 ≥ 50 % (früher F7), ePM10 (früher M5); meist zweistufig |
| Wärmerückgewinnung (WRG) | Übertragung der Abluftwärme auf die Zuluft | Rotationstauscher 75–85 %, Plattentauscher 60–90 %, Kreislaufverbund 45–65 % |
| Erhitzer / Kühler | Nachheizen bzw. Kühlen und Entfeuchten der Zuluft | Pumpenwarmwasser, Kaltwasser 6/12 °C oder Direktverdampfer |
| Befeuchter (optional) | Anheben der Zuluftfeuchte im Winter | hygienisch kritisch, Hygieneinspektion alle 2 Jahre |
| Ventilatoren (Zu-/Abluft) | Luftförderung gegen den Druckverlust | EC-Motoren mit Freilaufrad, drehzahlgeregelt |
| Schalldämpfer | Dämpfung von Ventilator- und Strömungsgeräuschen | Kulissenschalldämpfer zu- und abluftseitig |
| Kanalnetz mit Volumenstromreglern | Verteilung der Luft zu den Räumen | Wickelfalzrohr, Rechteckkanal, Dichtheitsklasse nach EN 16798-3 |
| Brandschutzklappen | Abschottung an Brandwänden und Decken | Prüfung nach Herstellerangabe, siehe Brandschutzklappen-Wartung |
| Luftdurchlässe | Zugfreie Einbringung und Absaugung | Drallauslässe, Schlitzauslässe, Weitwurfdüsen |
| Regelung (MSR / GLT) | Betrieb nach Zeit, Temperatur, CO₂, Feuchte | Aufschaltung auf Gebäudeleittechnik, Brandfallsteuerung |
Reihenfolge und Umfang je nach Anlagenart – Auslegung nach DIN EN 16798 und VDI 6022.
Arten von RLT-Anlagen
RLT-Anlagen werden nach Luftführung, Luftbehandlung und Regelung unterschieden. Die Wahl richtet sich nach Nutzung, Personenbelegung, inneren Lasten und den Anforderungen an Temperatur und Feuchte.
- Abluftanlage: nur Absaugung, Nachströmung über Außenluftdurchlässe – WC, Tiefgarage, einfache Gewerbeküche
- Zu- und Abluftanlage ohne WRG: einfacher Luftaustausch mit Erhitzer – heute selten, energetisch ungünstig
- Zu- und Abluftanlage mit WRG: Standard im Neubau, Wärmerückgewinnung nach GEG/EU-Ökodesign vorgeschrieben
- Teilklimaanlage: zusätzlich Heizen und/oder Kühlen (häufig Büro, Hotel, Handel)
- Vollklimaanlage: Heizen, Kühlen, Be- und Entfeuchten – Labor, Museum, Reinraum, OP
- Konstant- (KVS) oder variabler Volumenstrom (VVS): VVS regelt raumweise nach CO₂ oder Belegung und spart Energie
- Zentral (Zentralgerät im Technikraum/Dach) oder dezentral (Fassaden- und Dachgeräte je Zone)
Wo RLT-Anlagen eingesetzt werden
Überall dort, wo Fensterlüftung nicht ausreicht oder nicht möglich ist: Bürogebäude mit innenliegenden Zonen, Hotels mit Fluren und Gästezimmern, Gastronomie mit Küchenabluft nach VDI 2052, Schulen und Kitas mit CO₂-geführter Lüftung, Fitnessstudios, Einzelhandel, Produktionshallen sowie Sonderbauten mit Entrauchung und Brandfallsteuerung. Die erforderlichen Luftmengen liegen je nach Nutzung zwischen 30 m³/h je Person im Wohnbau und über 100 m³/h je Person in Sport und Gastronomie.
Wir betreuen RLT-Anlagen in Hotels, Bürogebäuden und Gewerbeobjekten in Berlin und Brandenburg – von der Neuanlage über die Bestandsertüchtigung bis zu Wartung, Hygieneinspektion und Brandschutzklappenprüfung.
Wartung und Hygiene der RLT-Anlage
Eine RLT-Anlage ist nur so gut wie ihre Instandhaltung. Filter werden nach Standzeit oder Differenzdruck gewechselt (erste Stufe oft halbjährlich, zweite jährlich), Wärmetauscher, Kondensatwannen und Ventilatoren regelmäßig gereinigt. Die Hygieneinspektion nach VDI 6022 ist alle 2 Jahre (mit Befeuchtung) bzw. 3 Jahre (ohne) fällig; die Wartungsleistungen selbst sind in der VDMA 24186 beschrieben. Brandschutzklappen werden nach Herstellerangabe – üblich halbjährlich bis jährlich – auf Funktion geprüft.
- Filterwechsel nach Differenzdruck, mindestens jährlich
- Reinigung von Wärmetauscher, Kondensatwanne, Ventilator
- Hygieneinspektion VDI 6022 alle 2 bzw. 3 Jahre (Richtwert 450–900 € je Anlage)
- Funktionsprüfung der Brandschutzklappen (Richtwert 25–60 € je Klappe)
- Kanalreinigung nach Befund (Richtwert 15–40 €/lfm)
Kosten-Orientierung
Die Investitionskosten einer RLT-Anlage hängen vor allem vom Volumenstrom, den Luftbehandlungsfunktionen, dem Kanalnetz und den Brandschutzanforderungen ab. Zentralgerät, Kanalnetz, Brandschutzklappen, Schalldämpfer und Regelung sind jeweils eigene Kostenblöcke; im Gewerbe bewegen sich komplette Anlagen inklusive Montage im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Eine seriöse Zahl gibt es erst nach Lüftungskonzept und Aufmaß – wir nennen sie als verbindliches Angebot.
Bei den Betriebskosten dominieren Strom für die Ventilatoren und Wärme bzw. Kälte für die Luftbehandlung. Eine gute Wärmerückgewinnung, EC-Ventilatoren und bedarfsgeführte Regelung (CO₂, Belegung) senken sie deutlich – häufig der wirtschaftlichste Hebel bei der Bestandsertüchtigung.

