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Brandschutzklappe – Funktion, Aufbau, Schmelzlot, Steuerung und Bauarten im Überblick

Eine Brandschutzklappe (BSK) ist ein selbsttätig schließender Feuerschutzabschluss in Lüftungsleitungen: Sie sitzt dort, wo ein Kanal eine Brandwand oder Brandschutzdecke durchdringt, und stellt im Brandfall die Feuerwiderstandsdauer des Bauteils wieder her – meist 90 Minuten (EI 90 S). Im Normalbetrieb steht das Klappenblatt offen; ausgelöst wird es thermisch über ein Schmelzlot bei 72 °C oder motorisch über einen Federrücklaufantrieb, den Brandmeldeanlage, Rauchauslöseeinrichtung oder Gebäudeleittechnik stromlos schalten. Es gibt runde und eckige Bauarten, Überströmklappen für Wandöffnungen ohne Kanal und Sonderformen für Schacht- und Leichtbauwände. Eine „wartungsfreie“ Klappe im Sinne von prüffrei gibt es nicht – jede BSK braucht die wiederkehrende Funktionsprüfung.

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Was sind Brandschutzklappen und wozu braucht man sie?

Lüftungskanäle verbinden Räume über Brandabschnitte hinweg. Ohne Absperrung wären sie im Brandfall ein Weg für Feuer und Rauch durch Wände und Decken, die 30, 60 oder 90 Minuten standhalten sollen. Die Brandschutzklappe schließt diese Lücke und stellt die Klassifizierung des Bauteils an der Durchführung wieder her. Die Anforderungen ergeben sich aus der Landesbauordnung, dem Brandschutzkonzept und der Muster-Lüftungsanlagen-Richtlinie (M-LüAR).

Als Bauprodukt ist die Brandschutzklappe in der Produktnorm DIN EN 15650 geregelt und trägt das CE-Zeichen mit Leistungserklärung. Geprüft wird nach DIN EN 1366-2, klassifiziert nach DIN EN 13501-3 – die geläufige Klasse lautet EI 90 S: 90 Minuten Raumabschluss (E) und Wärmedämmung (I), rauchdicht (S). Ältere Klappen tragen noch die nationale Klasse K 90 nach DIN 4102-6; Typenschildangaben wie „K90-18017“ stammen aus dieser Zeit und dürfen im Bestand weiterbetrieben werden, solange Zulassung, Einbau und Funktion nachweisbar sind.

  • Aufgabe: Feuerwiderstand der Wand oder Decke an der Kanaldurchführung wiederherstellen
  • Produktnorm DIN EN 15650, Prüfung DIN EN 1366-2, Klassifizierung EI 90 S nach DIN EN 13501-3
  • Altbestand: nationale Klasse K 90 nach DIN 4102-6 mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung
  • Nicht zu verwechseln mit Entrauchungs- oder Rauchschutzklappen (andere Aufgabe, andere Norm)

Aufbau einer Brandschutzklappe: Gehäuse, Klappenblatt, Auslöseeinrichtung

Eine Brandschutzklappe besteht aus wenigen, präzise abgestimmten Teilen. Das Gehäuse aus verzinktem Stahlblech oder Kalziumsilikat nimmt den Einbau in Wand oder Decke auf und verbindet beidseitig den Kanal. Darin lagert das Klappenblatt, heute aus Kalziumsilikat, früher aus Asbestzement. Im geschlossenen Zustand dichtet es über umlaufende Dichtungen und eine intumeszierende (im Brandfall aufschäumende) Dichtung ab, die Spalte verschließt und die Rauchdichtheit herstellt.

Die Auslöseeinrichtung hält das Blatt im Normalbetrieb offen. Bei der thermischen Bauart ist das ein Schmelzlot mit definiertem Schmelzpunkt von 72 °C, in Warmluftanlagen 95 °C. Schmilzt das Lot, gibt es die vorgespannte Schließfeder frei, das Blatt fällt zu und rastet ein. Nach einer Auslösung wird die Klappe von Hand wieder geöffnet und das Schmelzlot ersetzt – deshalb muss jede Klappe über eine Revisionsöffnung erreichbar bleiben. Endschalter melden die Stellung AUF und ZU an die Gebäudeleittechnik (GLT).

  • Gehäuse: Stahlblech oder Kalziumsilikat, beidseitig Kanalanschluss
  • Klappenblatt: Kalziumsilikat mit umlaufender und intumeszierender Dichtung
  • Auslöseeinrichtung: Schmelzlot 72 °C (95 °C bei Warmluft) oder elektrischer Antrieb
  • Schließfeder, Handhebel zum Wiederöffnen, Endschalter für die Rückmeldung AUF/ZU

Auslösung und Steuerung: thermisch, motorisch, über Rauchauslöseeinrichtung

Die thermische Klappe mit Schmelzlot ist die einfachste Bauart: Sie reagiert erst, wenn heiße Brandgase das Lot erreichen – also spät, und ohne Endschalter meldet sie sich nicht. In Gebäuden mit Brandmeldeanlage (BMA) oder Gebäudeleittechnik werden deshalb motorische Brandschutzklappen eingesetzt. Ein Federrücklaufantrieb mit 24 V oder 230 V hält das Blatt gegen eine Feder offen; fällt die Spannung weg, schließt die Feder die Klappe innerhalb weniger Sekunden. Stromausfall, ein Signal der BMA oder ein Befehl der GLT führen so immer zur sicheren Stellung ZU. Zusätzlich trägt jede motorische Klappe ein thermoelektrisches Auslöseelement, das bei 72 °C den Antrieb unterbricht.

Die Rauchauslöseeinrichtung (RAE) ergänzt die Steuerung um einen Kanalrauchmelder, der die Klappe bereits bei kaltem Rauch schließt, bevor die Temperatur im Kanal steigt – in vielen Brandschutzkonzepten für Flure und Rettungswege gefordert. Über Bus-Systeme oder konventionelle Klemmleisten laufen Steuerbefehle und Rückmeldungen in der Brandfallsteuerung zusammen; deren Zusammenspiel wird bei der Wirk-Prinzip-Prüfung nachgewiesen.

  • Thermisch: Schmelzlot 72 °C, Auslösung erst bei heißen Brandgasen, Rückstellung von Hand
  • Motorisch: Federrücklaufantrieb 24 V oder 230 V, schließt stromlos, fernprüfbar über GLT
  • Rauchauslöseeinrichtung: Kanalrauchmelder schließt bei kaltem Rauch, meist Pflicht in Fluren
  • Ansteuerung: Brandmeldeanlage, GLT, Bus-System oder Brandfallsteuermatrix

Brandschutzklappen-Arten: rund, eckig, Überström, Schachtwand

Die Bauart richtet sich nach dem Kanalquerschnitt, der Einbausituation und dem Brandschutzkonzept. Runde Brandschutzklappen für Wickelfalzrohr sind kompakt, günstig und bis etwa DN 315 bis 400 verfügbar; eckige Klappen decken Rechteckkanäle bis über 1.500 mm Breite ab und werden ab bestimmten Abmessungen mit mehreren Klappenblättern ausgeführt. Überströmklappen sitzen direkt in der Wand ohne angeschlossenen Kanal – etwa in Türen oder Trennwänden, über die Luft von einem Raum in den Flur nachströmt – und sind oft mit Gitter oder Schalldämpfer kombiniert.

Davon abzugrenzen sind Rauchschutzklappen und Kaltrauchsperren, die nur die Rauchausbreitung begrenzen und keinen Feuerwiderstand nachweisen, sowie Entrauchungsklappen, die im Brandfall öffnen statt schließen. Typische Baureihen am Markt sind beispielsweise TROX FK-EU (eckig) und FKRS-EU (rund), Wildeboer FK90/FR90 oder die BSK-Serien von Schako – alle nach DIN EN 15650 mit Zubehör für Antrieb, Endschalter und Rauchauslöseeinrichtung.

BauartEinsatzAuslösungBesonderheit
Runde BSK (Ø 100–400 mm)Wickelfalzrohr, Zimmer- und FlurabzweigeSchmelzlot oder Antriebkurze Baulänge, geringer Druckverlust, günstigste Bauart
Eckige BSK (bis ca. 1.500 × 800 mm)Hauptkanäle, Technikzentralen, SchächteSchmelzlot oder Antriebab großen Abmessungen mehrflügelig, mehr Platz für Revision nötig
Motorische BSK mit RAEFlure, Rettungswege, Gebäude mit BMA/GLTFederrücklauf + Kanalrauchmelderschließt bei kaltem Rauch, fernprüfbar, Rückmeldung an GLT
Überström-BrandschutzklappeWandöffnungen ohne Kanal, Nachströmung, TürenSchmelzlot, teils thermoelektrischmit Gitter oder Schalldämpfer, kein Kanalanschluss
BSK für Leichtbau-/SchachtwändeTrockenbau F90, InstallationsschächteSchmelzlot oder Antriebzugelassenes Einbauset, Laibungsrahmen
Rauchschutzklappe / KaltrauchsperreRauchabschnitte ohne FeuerwiderstandsanforderungRauchmelder, Antriebkein EI-Nachweis – keine Brandschutzklappe im Sinne der M-LüAR

Abmessungen und Ausstattung als marktübliche Spannen; maßgeblich ist die Leistungserklärung bzw. Zulassung des jeweiligen Typs.

Brandschutzklappe im Plan: Symbol und Kennzeichnung

In Lüftungsplänen wird die Brandschutzklappe als Rechteck im Kanalverlauf mit diagonalem Klappenblatt und dem Kürzel „BSK“ oder „FK“ gezeichnet; motorische Klappen erhalten ein Antriebssymbol, Klappen mit Rauchauslöseeinrichtung ein Meldersymbol. Grundlage sind die grafischen Symbole für raumlufttechnische Anlagen (ursprünglich DIN 1946, heute DIN EN 12792), ergänzt um Konventionen des Planungsbüros. Wichtiger als das Symbol ist die eindeutige Nummerierung: Jede Klappe erhält eine Kennung mit Brandabschnitt, Geschoss und laufender Nummer, die sich am Gerät, im Prüfbuch und in der GLT wiederfindet.

Am Gerät selbst stehen CE-Kennzeichen, Typbezeichnung, Abmessung, Baujahr und Einbaulage. Fehlt das Typenschild, lässt sich die Zulassung nicht mehr nachweisen – ein klassischer Mangel bei Prüfungen im Bestand.

„Wartungsfreie“ Brandschutzklappen – was dahintersteckt

Hersteller bewerben einzelne Baureihen als wartungsfrei oder wartungsarm. Gemeint ist: keine Schmierung, keine Verschleißteile, gekapselte Lager. Nicht gemeint ist der Verzicht auf die Funktionsprüfung. M-LüAR und Herstellerangaben fordern für jede Brandschutzklappe die wiederkehrende Prüfung – üblich halbjährlich, mindestens jährlich – sowie die Prüfung durch Prüfsachverständige in Sonderbauten. Eine prüffreie Brandschutzklappe gibt es also nicht; wartungsarme Konstruktionen senken lediglich den Aufwand je Prüfung.

Als Fachbetrieb mit Wartungsvertrag für Brandschutzklappen prüfen wir Bestände in Hotel- und Bürogebäuden im laufenden Betrieb und sanieren Altklappen in Bauabschnitten. Intervalle, Prüfpflichten und typische Mängel stehen im Artikel zur Brandschutzklappen-Wartung, Kosten und Ablauf im Artikel zum Austausch.

  • „Wartungsfrei“ = keine Schmierung und keine Verschleißteile, nicht „prüffrei“
  • Funktionsprüfung nach Herstellerangabe und M-LüAR bleibt Pflicht
  • Motorische Klappen lassen sich über die GLT fernprüfen – ersetzt nicht die Sichtprüfung

Fachlich geprüft von Martin Schneider

Geschäftsführer der TASG GmbH, Meister- und Ingenieurbetrieb, eingetragen bei der HWK Cottbus. Seit 2021 plant, baut und wartet das Team Lüftungs-, Klima- und Heizungsanlagen in Berlin und Brandenburg – vom Einfamilienhaus bis zur RLT-Anlage im Hotel.

Richtwerte sind Orientierung; verbindlich wird es nach Aufmaß. Über uns

Häufige Fragen

Was ist eine Brandschutzklappe und wie funktioniert sie?+

Eine Brandschutzklappe ist ein selbsttätig schließender Feuerschutzabschluss in einer Lüftungsleitung. Sie sitzt an der Durchführung durch Brandwand oder Brandschutzdecke, steht im Normalbetrieb offen und schließt im Brandfall über Schmelzlot oder Antrieb, damit die Wand ihre Feuerwiderstandsdauer von meist 90 Minuten behält.

Bei welcher Temperatur löst das Schmelzlot aus?+

Standard sind 72 °C; in Warmluftanlagen, in denen die Zuluft betriebsbedingt wärmer ist, werden Schmelzlote mit 95 °C eingesetzt. Nach einer Auslösung wird das Lot ersetzt und die Klappe von Hand wieder geöffnet.

Was ist der Unterschied zwischen thermischer und motorischer Brandschutzklappe?+

Die thermische Klappe schließt nur über das Schmelzlot, wenn heiße Brandgase sie erreichen. Die motorische Klappe hat einen Federrücklaufantrieb (24 V oder 230 V), der stromlos schließt und über Brandmeldeanlage, Rauchauslöseeinrichtung oder GLT angesteuert wird; sie meldet ihre Stellung zurück und lässt sich fernprüfen.

Was ist eine Brandschutzklappe mit Rauchauslöseeinrichtung?+

Eine Klappe, die zusätzlich zum Schmelzlot einen Kanalrauchmelder hat. Erkennt der Melder Rauch, schließt die Klappe sofort – auch bei kaltem Rauch, lange bevor 72 °C erreicht sind. In Fluren und Rettungswegen ist diese Ausführung häufig im Brandschutzkonzept gefordert.

Gibt es wirklich wartungsfreie Brandschutzklappen?+

Wartungsfrei bedeutet bei Brandschutzklappen nur: keine Schmierung und keine Verschleißteile. Die wiederkehrende Funktionsprüfung nach Herstellerangabe und M-LüAR – üblich halbjährlich, mindestens jährlich – bleibt für jede Klappe Pflicht, ebenso die Prüfung durch Prüfsachverständige in Sonderbauten.

Was ist eine Überström-Brandschutzklappe?+

Eine Brandschutzklappe direkt in Wand oder Tür ohne angeschlossenen Kanal. Sie lässt im Normalbetrieb Luft zwischen zwei Räumen überströmen und schließt im Brandfall wie jede andere BSK; meist ist sie mit Gitter oder Schalldämpfer kombiniert.

Welche Norm gilt für Brandschutzklappen?+

Produktnorm ist die DIN EN 15650 mit CE-Kennzeichnung und Leistungserklärung; geprüft wird nach DIN EN 1366-2, klassifiziert (z. B. EI 90 S) nach DIN EN 13501-3. Ältere Klappen sind nach DIN 4102-6 als K 90 zugelassen. Einbau und Betrieb regelt die M-LüAR des Bundeslandes.

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