Was sind Brandschutzklappen und wozu braucht man sie?
Lüftungskanäle verbinden Räume über Brandabschnitte hinweg. Ohne Absperrung wären sie im Brandfall ein Weg für Feuer und Rauch durch Wände und Decken, die 30, 60 oder 90 Minuten standhalten sollen. Die Brandschutzklappe schließt diese Lücke und stellt die Klassifizierung des Bauteils an der Durchführung wieder her. Die Anforderungen ergeben sich aus der Landesbauordnung, dem Brandschutzkonzept und der Muster-Lüftungsanlagen-Richtlinie (M-LüAR).
Als Bauprodukt ist die Brandschutzklappe in der Produktnorm DIN EN 15650 geregelt und trägt das CE-Zeichen mit Leistungserklärung. Geprüft wird nach DIN EN 1366-2, klassifiziert nach DIN EN 13501-3 – die geläufige Klasse lautet EI 90 S: 90 Minuten Raumabschluss (E) und Wärmedämmung (I), rauchdicht (S). Ältere Klappen tragen noch die nationale Klasse K 90 nach DIN 4102-6; Typenschildangaben wie „K90-18017“ stammen aus dieser Zeit und dürfen im Bestand weiterbetrieben werden, solange Zulassung, Einbau und Funktion nachweisbar sind.
- Aufgabe: Feuerwiderstand der Wand oder Decke an der Kanaldurchführung wiederherstellen
- Produktnorm DIN EN 15650, Prüfung DIN EN 1366-2, Klassifizierung EI 90 S nach DIN EN 13501-3
- Altbestand: nationale Klasse K 90 nach DIN 4102-6 mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung
- Nicht zu verwechseln mit Entrauchungs- oder Rauchschutzklappen (andere Aufgabe, andere Norm)
Aufbau einer Brandschutzklappe: Gehäuse, Klappenblatt, Auslöseeinrichtung
Eine Brandschutzklappe besteht aus wenigen, präzise abgestimmten Teilen. Das Gehäuse aus verzinktem Stahlblech oder Kalziumsilikat nimmt den Einbau in Wand oder Decke auf und verbindet beidseitig den Kanal. Darin lagert das Klappenblatt, heute aus Kalziumsilikat, früher aus Asbestzement. Im geschlossenen Zustand dichtet es über umlaufende Dichtungen und eine intumeszierende (im Brandfall aufschäumende) Dichtung ab, die Spalte verschließt und die Rauchdichtheit herstellt.
Die Auslöseeinrichtung hält das Blatt im Normalbetrieb offen. Bei der thermischen Bauart ist das ein Schmelzlot mit definiertem Schmelzpunkt von 72 °C, in Warmluftanlagen 95 °C. Schmilzt das Lot, gibt es die vorgespannte Schließfeder frei, das Blatt fällt zu und rastet ein. Nach einer Auslösung wird die Klappe von Hand wieder geöffnet und das Schmelzlot ersetzt – deshalb muss jede Klappe über eine Revisionsöffnung erreichbar bleiben. Endschalter melden die Stellung AUF und ZU an die Gebäudeleittechnik (GLT).
- Gehäuse: Stahlblech oder Kalziumsilikat, beidseitig Kanalanschluss
- Klappenblatt: Kalziumsilikat mit umlaufender und intumeszierender Dichtung
- Auslöseeinrichtung: Schmelzlot 72 °C (95 °C bei Warmluft) oder elektrischer Antrieb
- Schließfeder, Handhebel zum Wiederöffnen, Endschalter für die Rückmeldung AUF/ZU
Auslösung und Steuerung: thermisch, motorisch, über Rauchauslöseeinrichtung
Die thermische Klappe mit Schmelzlot ist die einfachste Bauart: Sie reagiert erst, wenn heiße Brandgase das Lot erreichen – also spät, und ohne Endschalter meldet sie sich nicht. In Gebäuden mit Brandmeldeanlage (BMA) oder Gebäudeleittechnik werden deshalb motorische Brandschutzklappen eingesetzt. Ein Federrücklaufantrieb mit 24 V oder 230 V hält das Blatt gegen eine Feder offen; fällt die Spannung weg, schließt die Feder die Klappe innerhalb weniger Sekunden. Stromausfall, ein Signal der BMA oder ein Befehl der GLT führen so immer zur sicheren Stellung ZU. Zusätzlich trägt jede motorische Klappe ein thermoelektrisches Auslöseelement, das bei 72 °C den Antrieb unterbricht.
Die Rauchauslöseeinrichtung (RAE) ergänzt die Steuerung um einen Kanalrauchmelder, der die Klappe bereits bei kaltem Rauch schließt, bevor die Temperatur im Kanal steigt – in vielen Brandschutzkonzepten für Flure und Rettungswege gefordert. Über Bus-Systeme oder konventionelle Klemmleisten laufen Steuerbefehle und Rückmeldungen in der Brandfallsteuerung zusammen; deren Zusammenspiel wird bei der Wirk-Prinzip-Prüfung nachgewiesen.
- Thermisch: Schmelzlot 72 °C, Auslösung erst bei heißen Brandgasen, Rückstellung von Hand
- Motorisch: Federrücklaufantrieb 24 V oder 230 V, schließt stromlos, fernprüfbar über GLT
- Rauchauslöseeinrichtung: Kanalrauchmelder schließt bei kaltem Rauch, meist Pflicht in Fluren
- Ansteuerung: Brandmeldeanlage, GLT, Bus-System oder Brandfallsteuermatrix
Brandschutzklappen-Arten: rund, eckig, Überström, Schachtwand
Die Bauart richtet sich nach dem Kanalquerschnitt, der Einbausituation und dem Brandschutzkonzept. Runde Brandschutzklappen für Wickelfalzrohr sind kompakt, günstig und bis etwa DN 315 bis 400 verfügbar; eckige Klappen decken Rechteckkanäle bis über 1.500 mm Breite ab und werden ab bestimmten Abmessungen mit mehreren Klappenblättern ausgeführt. Überströmklappen sitzen direkt in der Wand ohne angeschlossenen Kanal – etwa in Türen oder Trennwänden, über die Luft von einem Raum in den Flur nachströmt – und sind oft mit Gitter oder Schalldämpfer kombiniert.
Davon abzugrenzen sind Rauchschutzklappen und Kaltrauchsperren, die nur die Rauchausbreitung begrenzen und keinen Feuerwiderstand nachweisen, sowie Entrauchungsklappen, die im Brandfall öffnen statt schließen. Typische Baureihen am Markt sind beispielsweise TROX FK-EU (eckig) und FKRS-EU (rund), Wildeboer FK90/FR90 oder die BSK-Serien von Schako – alle nach DIN EN 15650 mit Zubehör für Antrieb, Endschalter und Rauchauslöseeinrichtung.
| Bauart | Einsatz | Auslösung | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Runde BSK (Ø 100–400 mm) | Wickelfalzrohr, Zimmer- und Flurabzweige | Schmelzlot oder Antrieb | kurze Baulänge, geringer Druckverlust, günstigste Bauart |
| Eckige BSK (bis ca. 1.500 × 800 mm) | Hauptkanäle, Technikzentralen, Schächte | Schmelzlot oder Antrieb | ab großen Abmessungen mehrflügelig, mehr Platz für Revision nötig |
| Motorische BSK mit RAE | Flure, Rettungswege, Gebäude mit BMA/GLT | Federrücklauf + Kanalrauchmelder | schließt bei kaltem Rauch, fernprüfbar, Rückmeldung an GLT |
| Überström-Brandschutzklappe | Wandöffnungen ohne Kanal, Nachströmung, Türen | Schmelzlot, teils thermoelektrisch | mit Gitter oder Schalldämpfer, kein Kanalanschluss |
| BSK für Leichtbau-/Schachtwände | Trockenbau F90, Installationsschächte | Schmelzlot oder Antrieb | zugelassenes Einbauset, Laibungsrahmen |
| Rauchschutzklappe / Kaltrauchsperre | Rauchabschnitte ohne Feuerwiderstandsanforderung | Rauchmelder, Antrieb | kein EI-Nachweis – keine Brandschutzklappe im Sinne der M-LüAR |
Abmessungen und Ausstattung als marktübliche Spannen; maßgeblich ist die Leistungserklärung bzw. Zulassung des jeweiligen Typs.
Brandschutzklappe im Plan: Symbol und Kennzeichnung
In Lüftungsplänen wird die Brandschutzklappe als Rechteck im Kanalverlauf mit diagonalem Klappenblatt und dem Kürzel „BSK“ oder „FK“ gezeichnet; motorische Klappen erhalten ein Antriebssymbol, Klappen mit Rauchauslöseeinrichtung ein Meldersymbol. Grundlage sind die grafischen Symbole für raumlufttechnische Anlagen (ursprünglich DIN 1946, heute DIN EN 12792), ergänzt um Konventionen des Planungsbüros. Wichtiger als das Symbol ist die eindeutige Nummerierung: Jede Klappe erhält eine Kennung mit Brandabschnitt, Geschoss und laufender Nummer, die sich am Gerät, im Prüfbuch und in der GLT wiederfindet.
Am Gerät selbst stehen CE-Kennzeichen, Typbezeichnung, Abmessung, Baujahr und Einbaulage. Fehlt das Typenschild, lässt sich die Zulassung nicht mehr nachweisen – ein klassischer Mangel bei Prüfungen im Bestand.
„Wartungsfreie“ Brandschutzklappen – was dahintersteckt
Hersteller bewerben einzelne Baureihen als wartungsfrei oder wartungsarm. Gemeint ist: keine Schmierung, keine Verschleißteile, gekapselte Lager. Nicht gemeint ist der Verzicht auf die Funktionsprüfung. M-LüAR und Herstellerangaben fordern für jede Brandschutzklappe die wiederkehrende Prüfung – üblich halbjährlich, mindestens jährlich – sowie die Prüfung durch Prüfsachverständige in Sonderbauten. Eine prüffreie Brandschutzklappe gibt es also nicht; wartungsarme Konstruktionen senken lediglich den Aufwand je Prüfung.
Als Fachbetrieb mit Wartungsvertrag für Brandschutzklappen prüfen wir Bestände in Hotel- und Bürogebäuden im laufenden Betrieb und sanieren Altklappen in Bauabschnitten. Intervalle, Prüfpflichten und typische Mängel stehen im Artikel zur Brandschutzklappen-Wartung, Kosten und Ablauf im Artikel zum Austausch.
- „Wartungsfrei“ = keine Schmierung und keine Verschleißteile, nicht „prüffrei“
- Funktionsprüfung nach Herstellerangabe und M-LüAR bleibt Pflicht
- Motorische Klappen lassen sich über die GLT fernprüfen – ersetzt nicht die Sichtprüfung

